| Gottesdienst am 24.12.2011 (Heiligabend) |
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Christuskirche Landshut, Dekan Siegfried Stelzner Predigt zu Jes 9, 1-6 --- Es gilt das gesprochene Wort. --- Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen
"Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du machst des Volkes viel; du machst groß seine Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast das Joch ihrer Last und die Rute ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie zur Zeit Midians. Denn alle Rüstung derer, die sich mit Ungestüm rüsten, und die blutigen Kleider werden verbrannt und mit Feuer verzehrt werden. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; er heißt Wunderbar, Rat, Held, Ewig-Vater Friedefürst; auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Stuhl Davids und in seinem Königreich, daß er's zurichte und stärke mit Gericht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth." (Jesaja 9, 1-6)
Liebe Gemeinde, welches waren Ihre schönsten Erlebnisse im Leben? Der Hochzeitstag? Eine Liebe? Ein beruflicher Erfolg? Ein wunderbarer Abend an einem besonderen Urlaubsort? Für die Älteren vielleicht, der Tag als der 2. Weltkrieg vorbei war. Als der Mann ganz unverhofft aus der Gefangenschaft zurückkam. Oder vor zwei Jahrzehnten, als die Berliner Mauer fiel? Es gibt Momente, die vergisst man nicht, an die erinnert man sich ein ganzes Leben lang und beim Zurückdenken steigen die Bilder wieder in einem hoch und auch die schönen Gefühle, die damit verbunden sind. Vielleicht gibt es auch ein Weihnachtsfest, das für Sie in den Reigen dieser schönsten Augenblicke gehört, als die Kinder klein waren oder als man selbst noch klein war und Weihnachten noch etwas ganz Außergewöhnliches gewesen ist. Ganz besondere Augenblicke im Leben Solche ganz besonderen Augenblicke, Situationen, die für ein Volk oder für einen einzelnen Menschen wohl nur einmal im Leben vorkommen und die man nicht vergisst, erzählt Jesaja im heutigen Predigttext. Die Menschen, zu denen er spricht, haben es nicht besonders gut: "Das Volk, das im Finstern wandelt" so nennt er sie. Aber Jesaja spricht nicht von der Finsternis, sondern vom Licht: Er spricht vom Licht am Horizont. "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht", das ist so, wie wenn jemand eine Nacht durchwachen muss, vielleicht eine schrecklich lange dunkle Nacht und dann, nach vielen Stunden warten, beginnt es am Horizont grau, hell zu werden. Man sieht das Licht, endlich hat das Warten ein Ende. Das Licht ist noch nicht da, die Dunkelheit ist noch nicht vorbei, doch das Schlimmste ist überstanden, sagt Jesaja, und er weckt Hoffnung und macht Lust auf das Neue. Er erinnert die Menschen an die Höhepunkte in ihrem Leben, um ihnen die Freude und das Gefühle der Ausgelassenheit, die sie in der Zukunft erwartet, ein wenig anzudeuten. Er spricht die Soldaten an: Erinnert ihr euch, wie es ist, wenn die Beute verteilt wird, wenn man weiß, eine Schlacht ist vorbei, wenn man sich freut, das Leben gerettet zu haben und dann noch Anteil bekommt an der Kriegsbeute. Für uns heute vielleicht kein so sprechendes Beispiel mehr, für einen Soldaten zur Zeit des Jesaja durchaus. Und Jesaja spricht die freigelassenen Sklaven an: Wisst ihr es noch, als euer Herr euch die Freiheit geschenkt hat, als er die Jochstange, die Stange unter der ihr gebeugt gehen musstet, symbolisch zerbrochen hat: und ihr damit frei wart! Erinnert euch an die Freude, dass ihr nun euer eigener Herr seid, an den Stolz, dass ihr einen neuen gesellschaftlichen Status errungen habt, an die Chancen, die vor euch lagen, in eurem Leben durch eigene Leistung etwas aufzubauen. Jesaja zeigt ein Licht am Horizont Jesaja zeigt den Menschen, die unter Not, Unsicherheit und politischer Drangsal leiden eine schöne neue Welt, einen Lichtblick. Er weckt die Freude und Hoffnung auf eine gute Zukunft. Jesaja kann die hellere Welt nicht schaffen, sie ist noch nicht da, aber Jesaja kündigt sie an, er ist sicher, dass sie kommt, und er will alle an dieser Hoffnung teilhaben lassen. Denn wie könnte man leben nur in der Dunkelheit? Wie soll man sein Leben fristen ohne eine Hoffnung, und wie könnte man etwas schaffen, etwas voranbringen im eigenen Leben oder als Volk, wenn man nicht an die Zukunft glauben würde. Wir leben in der Dunkelheit, aber es kommt das Licht. Wir haben es nicht immer gut, aber Rettung kündigt sich an. Was uns in jedem Jahr mit der Weihnachtsbotschaft neu zu denken gibt ist, dass es ein Kind ist, von dem die rettende Zukunft ausgehen soll. Ein zartes Kind schafft die Veränderung. Was Macht, was waffenstarrende Armeen nicht schaffen, was einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan oder einer amerikanischen militärischen Intervention im Irak nicht gelingt, einem Kind soll es möglich sein: Frieden und Versöhnung zu bringen, Dunkelheiten zu zerstören, den Menschen Hoffnung zu bringen. Wenn Liebe, Vertrauen, Respekt als Voraussetzung für dauerhaften Frieden und das gute Zusammenleben zwischen Menschen angesehen wird, dann geht es tatsächlich nur mit den Eigenschaften eines Kindes, das vorbehaltlos auf Menschen zugeht, das unverfälscht und ohne Hintergedanken an das Gute glaubt und die Menschen vorbehaltlos liebt. Die Herrschaft des Kindes in der Krippe Wie gut tun einem Worte wie die: "Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter... Seine Herrschaft soll groß werden und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich. Er stärkt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit." Es braucht für mich solcher Worte, die mir Vertrauen in die Zukunft geben, wenn ich verzweifeln möchte über die Mächtigen in der Welt, in Politik und Bankenwesen, die die Grenze nicht mehr finden zwischen dem, was den Menschen dient und dem, was für sie von eigenem Vorteil ist. Oder wenn ich erschreckende Bilder von jungen Menschen sehe, die menschenverachtende Parolen grölend durch die Straßen ziehen oder von religiösen Fanatikern, denen Menschenleben nicht heilig sind. Vielleicht könnten wir es an der Krippe lernen, wo Jesus in Armut geboren ist und sein Lebensziel nicht im Reichtum oder im Ansehen gefunden hat, sondern im Dasein für andere, in Solidarität mit den Schwachen und in der Friedfertigkeit sogar gegenüber seinen Feinden. Wenn die Herrschaft auf solchen Schultern liegt, dann habe ich Vertrauen in die Zukunft. Und ich bin voller Zuversicht, wenn mein eigenes Geschick und das Schicksal der Welt in diesen Händen liegt. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen Vor über 2000 Jahren ist das göttliche Kind in Bethlehem geboren. Das Licht am Horizont leuchtet seither in die Welt. Aber noch ist die Nacht nicht vorbei, doch die Dämmerung macht Mut auf den hellen Tag. Meine Hoffnung ist es, dass das, was an Weihnachten die Hirten froh gemacht hat und was im Erdendasein den Menschen Hoffnung gegeben hat, unsere Welt durchdringen und beseelen möge, dass der Frieden wächst und die Gerechtigkeit blüht. Ob ich es erleben werde? Ich weiß es nicht. Dass es aber kommt, das weiß ich. Dann wird Jubel herrschen, dann wird man sich freuen, wie man Beute austeilt, dann wir man gelöst und glücklich sein, wie wenn man die Sklaverei hinter sich gelassen hat, dann feiert ein Volk, dann reichen sich die Völker der Erde die Hände, dann herrscht Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
Siegfried Stelzner
Jes. 9, 1-6
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