| Gottesdienst am 17.01.2010 (2. Sonntag nach Epiphanias) |
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Christuskirche Landshut, Dekan Siegfried Stelzner Predigtreihe: "Predigten zum Lachen" Thema: Kann Gott lachen? --- Es gilt das gesprochene Wort. --- Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen Liebe Gemeinde, vor einigen Jahren gab es in einer Gemeinde unseres Dekanats eine Predigtreihe mit dem Thema: „Die großen Fragen des Lebens“. Diese Fragen waren: „Was ist Liebe?“ „Was ist Glück?“ „Was kommt nach dem Tod?“ Das sind gewaltige Themen. Ob es darauf in einer Predigt eine Antwort geben kann? Eine nicht geringere Aufgabe habe ich mir für die heutige Predigt im Rahmen unserer Reihe „Lachen“ vorgenommen. Meine große Frage des Lebens lautet: „Kann Gott lachen?“
Vielleicht halten Sie es ja nicht gerade für eine so große Frage der Menschheit, ob Gott denn lachen kann. Vielleicht haben Sie diese Frage noch gar nicht gestellt oder Sie sagen, was soll es bringen, darüber nachzudenken? Aber interessant ist es allemal und die Theologie hat die Aufgabe, über alle Fragen der Welt nachzudenken, also auch über diese - und ich bitte, mir zu gestatten, dass ich dies heute auch tue. In der Bibel wird verhältnismäßig wenig gelacht. Dies ist vielleicht auch ganz natürlich. In der Bibel geht es um die grundlegenden Dinge des Lebens. Um vielleicht die wirklich wichtigen Fragen der Menschen: Um Tod, Sünde, Schuld und Erlösung. Das Lachen kommt eher am Rande vor: Meist ist es ein überhebliches Lachen, ein Lachen über die Schwäche eines Feindes oder über die Gottlosen. Auch Gott wird so ein Lachen zugeschrieben. Doch dieses Lachen meine ich nicht. Es ist nicht das Lachen, über das es in dieser Predigt gehen soll. Ich denke vielmehr an ein Lachen, das befreit, ein ungezwungenes, von innen kommendes Lachen, das unser Leben fröhlich macht. So ein fröhliches, erlöstes, herzliches Lachen findet sich z. B. in den Psalmen, wenn den Gefangen in Babylon das Herz lacht, weil Sie wieder zurück in ihre Heimat dürfen. Außerdem lesen wir in der Bibel von einem eher ironischen Lachen, wenn über Menschen gelacht wird, die eine Kleinigkeit, eine Unbedeutsamkeit des Lebens zu ernst nehmen. Und sonst: Gerade haben wir im Evangelium von der Hochzeit in Kana gehört. Wenn ich mir den Weinkonsum vor Augen halte, der dazu geführt hat, dass alles aufgebraucht war… Die gute, heitere Stimmung dieser Hochzeitsgesellschaft kann ich mir gut vorstellen.
Wenn ich nun vom Lachen sprechen will, dann von dem in seiner schönen Form, nämlich spontan und ausgelassen. Ich denke an Lachen, das aus einer gelösten fröhlichen Stimmung heraus entsteht und andere ansteckt, Lachen, das auch im Ernst des Lebens nicht verstummt und unseren Alltag erst schön oder wenigstens erträglich macht. Ich meine dieses Lachen, das wir alle schätzen und lieben - und dieses kommt in der Bibel eher selten vor.
Vielleicht ist das deshalb so, weil Gott eher auch nicht lacht. Das kann ja auch nicht sein. Gott kann man sich im Prinzip gar nicht lachend vorstellen. Er ist der Erhabene, der im Himmel Thronende. Er ist ein König, ein Herrscher. Er erhält das Leben, er ist unser Gegenüber, der unser Schicksal in den Händen hält, die Welt geplant und geschaffen hat. Dazu passt der Gedanke eines Spaßvogels nicht. Es fällt schwer, Gott als jemanden zu sehen, der Witze erzählt und dem Lachtränen aus den Augen tropfen. Und man muss zudem sagen, dass Gott - selbst wenn er es könnte - sehr wenig zu lachen hätte mit seinen Menschen: Es wäre ihm längst das Lachen vergangen beim Anblick, wie jeder nur sich selbst wahrnimmt, wie wir einander Schlimmes antun, die Erde verwüsten und uns gegenseitig abschlachten.
Aber es lacht der Mensch – ein Ebenbild Gottes So lacht Gott nicht? Aber wir Menschen tun es! Nur, wo haben wir dieses Lachen denn her? Wer gab uns die Fröhlichkeit, den Humor? Gibt es etwas im Leben, das nicht eine Gabe Gottes ist? So macht er, Gott, uns lachen und kann es selbst nicht? Auch diese Vorstellung fällt mir schwer. Wir wissen, dass uns Gott zu seinem Ebenbild geschaffen hat, und wenn wir zu lachen verstehen, dann müsste es also Gott auch können. Es ist ja nicht so, dass Gott in der Bibel ganz ohne Gefühlsregungen geschildert wird. Gott kann durchaus weinen: Er weint über sein Volk, das verloren geht. Und Gott kann sich freuen: Er freut sich über die Lobgesänge und die Opfer, die ihm dargebracht werden. Als Kind wurde uns gesagt: „Gott freut sich über dich, wenn du brav bist.“ Ist das falsch?
Aber vor allem hat Gott uns Menschen mit Fröhlichkeit geschaffen. Wir können lachen! Laut oder leise. Wir halten uns den Bauch vor Lachen oder lächeln oder schmunzeln. Wir versuchen einander zum Lachen zu bringen und schätzen Menschen, die für uns Spaß machen. Lachen ist spontan, es befreit. Lachen gehört einfach zum Menschen dazu. Im Kino oder Kabarett lachen wir gern gemeinsam und leicht fällt es uns zu lachen im Kreis fröhlicher Menschen. Lachen verbindet. Der lächelnd Schweigsame gehört genauso zur frohen Runde wie der überschäumende Witzeerzähler. Lachen und Gemeinschaft gehört irgendwie zusammen. Man lacht gern mit anderen. Und wer einen anderen anlacht, ihm zulächelt, der zeigt damit: „Ich bin dir nicht feind.“ Ein schönes Wort hat mich in den letzten Tagen, im Zusammenhang mit meiner Predigt, begleitet. Das heißt: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“ Man lacht oder lächelt selten für sich allein oder nur zum eigenen Wohlbefinden, sondern Lächeln hat mit Liebe und Freundlichkeit gegenüber einem anderen Menschen zu tun. Wie leicht können wir mit jemandem in Verbindung treten. Ein kleines Lächeln reicht dazu aus. Man muss sich noch nicht einmal kennen. Ein Lächeln zu bekommen, tut jedem gut. Ein geschenktes Lächeln am Morgen ist ein guter Start in den Tag und das Lächeln eines Mädchens kann einen jungen Mann in süßeste Träume stürzen. Durch ein Lächeln kann man eine schwierige Situation entschärfen oder einem Menschen aus einer Peinlichkeit heraushelfen. Durch ein Lächeln kommen wir uns nahe ohne Worte, ohne Gesten, ohne Taten. Wir treten miteinander in Kontakt in freundlicher und sympathischer Weise, ohne dass wir einander vereinnahmen. Wenn uns Gott als Gemeinschaftswesen geschaffen hat, als Wesen, die aufeinander angewiesen und füreinander da sind, dann hat er uns das Lachen und das Lächeln gegeben als schnellste und einfachste Brücke zueinander. Lächeln ist fast ein fast göttlicher Weg, eine fast göttliche Ausdrucksform. Durch ein Lächeln drücken wir in Sekundenschnelle aus, was auch Gott in jeder Situation für uns empfindet: Du bist mir sympathisch, ich mag dich, ich schätze dich, ich verzeihe dir, ich finde deinen Fehler nicht schlimm, du bist mir willkommen. Lächeln ist in kleiner Münze die Botschaft Gottes an uns, das Empfinden, das er für uns hat, seine Liebe und Sympathie für einen jeden von uns. Vielleicht ist unser Lächeln eine Antwort auf die große vorausgegangene Sympathie Gottes für uns Menschen und vielleicht steckt in jedem Lächeln ein kleines Stück von der Freundlichkeit und Sympathie Gottes, von seinem freundlichen Lächeln für uns.
Und ob Gott lachen kann – das weiß ich nicht. Aber dass Gott immer wieder ein Lächeln für uns hat, das weiß ich. Amen Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen Siegfried Stelzner |
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