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Christuskirche Landshut, Dekan Siegfried Stelzner
Predigt zu 1. Petrusbrief 5, 7
--- Es gilt das gesprochene Wort. ---
Liebe Gemeinde,
die Christuskirche hat wieder einen Pfarramtsführer. Wir freuen uns, dass nach einer kurzen Zeit der Vakanz die zweite Pfarrstelle, die Stelle, von der wir Pfarrer Wild im Juni verabschiedet haben, wieder besetzt ist. Und ich freue mich, dass sie mit Pfarrer Wolfgang Scheidel besetzt ist. Mit Pfarrer Scheidel haben wir einen hochkarätigen Pfarrer nach Landshut bekommen. Er war in den letzten Jahren Dekan in Weiden und ist Mitglied der Landessynode. Auf seinem Berufsweg sucht er nach einer Kräfte zehrenden Aufgabe in Weiden Neuorientierung und hat dazu in Landshut Station gemacht. Für zwei Jahre vertritt er die 2. Pfarrstelle an der Christuskirche und wird hier mit uns, der Gemeinde, den Kolleginnen und Kollegen, arbeiten und leben.
Pfarrer Scheidel und ich kennen uns schon lange. Wir haben als Dekane im Kirchenkreis Regensburg viele Jahre zusammen gearbeitet und so freue ich mich, lieber Wolfgang, dass wir nun ganz eng zusammenarbeiten dürfen.
Ich habe für meine Kurzpredigt den Wochenspruch gewählt aus dem 1. Petrusbrief (5,7): „Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Dies ist ein Spruch genau für einen Pfarrer. Denn ein Pfarrer, ein Seelsorger, ist für die Sorgen der Menschen da. Die Menschen, die uns anvertraut sind, darf man nicht allein lassen mit dem, was sie beschäftigt und quält. Wenn es Probleme am Arbeitsplatz gibt, wenn es bei einem Jugendlichen in der Schule nicht klappt, wenn jemand schwer erkrankt, wenn die Kräfte zu Ende sind bei der Pflege eines alten Menschen oder bei der Arbeit in der Familie, wenn man nicht mehr weiter weiß, wenn alles über einem zusammenschlägt, wenn man schreien oder weinen möchte - dann braucht man jemand, wo man abladen kann, jemand, der einen ermutigt und aufrichtet, der Geduld hat, ein offenes Ohr und vor allem Zeit für einen. Für die Sorgen der Menschen sollte die christliche Gemeinde und vor allem ein Pfarrer immer da sein. Manchmal gelingt diese Aufgabe. Das sind schöne Augenblicke im Arbeitsalltag eines Pfarrers, wenn nach einem Gespräch ein Mensch erleichtert, mit neuem Mut und frischer Kraft, von uns geht und wieder ein Licht sieht am Ende des Tunnels. Aber nicht immer hat ein Gespräch dieses Ergebnis. Oft sind Sorgen so groß, oft sind sie unlösbar, dass wir eine Lösung schuldig bleiben müssen und dem Hilfesuchenden nur unsere Anteilnahme und Nähe schenken können. Dann werden die Sorgen eines anderen zu den eigenen Sorgen. Damit muss man leben und umgehen. Und wenn man seine Augen und Ohren aufmacht, wenn man offen ist für die Nöte der Gesellschaft, dann sieht man auch da die vielfältigen Sorgen der Menschen, all die vielen, die nicht zurecht kommen mit den Anforderungen, ihren Gefühlen, ihrer Rolle im Leben. Wir sorgen uns über Jugendliche, die innerlich leer sind oder auch voll von Hass und Aggression, die keinen Ausweg finden und die dann zu Taten fähig werden, wie wir sie jüngst in der S-Bahn in München oder im Gymnasium in Ansbach erleben mussten. Wie kann man solche Taten verhindern? Wie kann man Gefährdungen erkennen? Wie kann man einwirken auf Jugendliche, ihnen Hilfe anbieten, deutliche Wege vorgeben, konsequent handeln, ohne einen Menschen abzuschreiben und abzustempeln. Die Sorgen und die Nöte der Menschen, die Probleme unserer Gesellschaft werden, wenn man ein öffentliches Amt bekleidet, zu den eigenen. Und auch bei uns in der Kirche gibt es Sorgen und Probleme. Viele Menschen kehren der Gemeinde den Rücken, kommen nicht in den Gottesdienst, wenden sich innerlich ab vom Glauben. Da gilt es neue Arbeitsfelder zu eröffnen, wir wollen gerne in der Seniorenarbeit vorankommen, die Öffentlichkeitsarbeit verstärken. Der Kirchvorstand wird auf dich zukommen und seine Vorstellungen, Erwartungen und auch Sorgen präsentieren. So sieht es aus. Die Sorgen zu tragen gehört zum Pfarrersein. Nun wäre das aber eine sehr düstere Predigt und ein deprimierender Anfang für Dich, wenn ich nur von den Sorgen sprechen könnte. Der Wochenspruch, das Wort aus dem Petrusbrief redet ja gerade davon, wie man Sorgen los wird. Wirf sie auf Christus, werden wir aufgefordert. Das ist gut. Wir tragen nicht allein, Gott trägt mit und er trägt uns. Paul Gerhard dichtet im Lied „Befiehl du deine Wege“:
„Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen Gute Nacht, lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht. Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente, und führet alles wohl.“
Dieser Perspektivwechsel tut gut. Es rückt die letzte Verantwortung für die Welt weg von uns und hin zu Gott. Da wird die Erlaubnis erteilt, abzugeben. Da wird zur Gelassenheit aufgerufen. Da wird eine Last von den Schultern genommen. Gott sitzt im Regimente, auf ihn können wir unsere Sorgen werfen. Aber trotzdem fühlt man die Verantwortung. Trotzdem wird man ein Pfarramt gewissenhaft führen. Trotzdem lassen einen Probleme und Unzulänglichkeiten nicht kalt. Aber das Wort der Schrift ermutigt uns zum Abgeben. Wir dürfen Sorgen teilen. Wir dürfen sie anderen mitteilen, andere mit ins Boot holen, sie bitten beim Tragen zu helfen. Dazu möchte ich Dich ausdrücklich ermutigen: Teile die Sorgen, die Probleme, die Anforderungen mit Deinen Kollegen, mit dem Kirchenvorstand, mit den Menschen Deines Vertrauens. Gemeinsam können wir uns ermutigen, stärken, aufbauen. Gemeinsam kann uns die Freude an der Arbeit erhalten bleiben. Wir können füreinander einstehen, uns vertreten, uns die Arbeit erleichtern – und auf diese Weise mehr schaffen als allein. Und gemeinsam können wir auf Gott blicken, zu ihm beten, Gottesdienst feiern. Er blickt wohlwollend auf uns, auf unsere Gemeinde, auf unsere Arbeit. Er sitzt im Regimente, darauf können wir vertrauen.
Lieber Wolfgang Scheidel,
die Zeit, die Du in Landshut verbringen wirst, wird nicht lange sein. Doch ich hoffe, dass sie erfüllt ist, erfüllt von guten Begegnungen, von Aufbrüchen, von Freude und Gelassenheit, von bewältigten Problemen und gutem Miteinader, von Glauben und Vertrauen in Gott unsern Herren. Ich freue mich auf diese Zeit mit Dir. Ich wünsche Dir und uns Gottes Segen dazu und unser Vertrauen auf ihn.
Amen
Siegfried Stelzner Dekan
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