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Christuskirche Landshut, Pfarrer z.A. Felix Reuter
Kurzpredigt nach der Aufführung des Mucials JONA oder "Nix wie weg"
--- Es gilt das gesprochene Wort. ---
„Sieh nicht weg, hör dich um, lauf nicht fort!“
Liebe Gemeinde,
mit diesem eindringlichen Appell endet das Kindermusical in seiner modernen Adaption des alttestamentlichen Prophetenbuchs Jona. In eindrücklicher Weise haben wir von den vielen Kindern, von der Musik und den Texten einen wesentlichen Konflikt unseres menschlichen Daseins aufgezeigt bekommen. Diese Geschichte rührt an, sie geht ans Eingemachte, denn sie beschreibt etwas, was uns alle angeht. Und es ist ein großer Schatz, von euch Kindern so bewegt worden zu sein. Vielen Dank dafür! Heute morgen werden wir bewegt von den Augen und Stimmen unserer Kinder und von einer Geschichte, die schon Jahrhunderte lang Menschen berührt hat. Der Prophet Jona ist nicht ohne Grund eines der biblischen Bücher mit herausragender Wirkungsgeschichte.
Der Konflikt der Jona-Geschichte ist ein Konflikt, den wir Menschen immer wieder durchleben. Er liegt unserem Menschsein zugrunde; denn uns Menschen macht es ja gerade aus, dass wir zwischen dem, was wir tun sollen und dem, was wir tun können oder wollen, unterscheiden. Wir reflektieren unser Handeln, wir denken nach, wir überlegen uns Handlungsalternativen und beobachten die Folgen unseres Tuns. Wir sehen andere, wie sie sich offensichtlich falsch verhalten. Wir spüren oft am eigenen Leib Auswirkungen verfehlten Handelns. Menschliches Tun und Unterlassen wird uns und der Welt zum Verhängnis. Verkorkste, unheilvolle Strukturen, kommunikative Verstrickungen – und wir hängen mitten drin.
In der Geschichte des Musicals ist es die Trennung der Eltern, der Umzug in eine neue Stadt und der damit einhergehende Verlust der vertrauten Umgebung, die Konfrontation mit der neuen Situation und neuen Menschen und die offensichtliche Fehltat der Mitschüler. Es ist die pure Überforderung. Jonas wird etwas abverlangt, was er allein nicht leisten kann. Wer möchte es Jonas da übel nehmen, dass er weglaufen wollte, zurück zu seinem Vater, zurück zum Vertrauten. Keiner wird es ihm übel nehmen können – denn wir alle kennen solche Situationen der Überforderung, vor denen wir nur allzu gerne fliehen. Vielleicht wüssten wir sogar, was zu tun wäre. Vielleicht bekommen wir es auch gesagt. Und doch wollen wir einfach nur weg. In einer Welt voller Unheil sehnen wir uns zurück in eine Welt, in der alles in Ordnung war.
Doch die Wirklichkeit lässt uns nicht zurück, uns bleibt nur noch die Flucht in die eigene Vergangenheit. Doch diese Flucht bringt uns weg vom Leben hinein in den Sturm und Strudel des Todes. Doch die bedrohlichen Wellen des Lebensmeeres können uns nichts anhaben, wir werden gerettet in den Bauch des Fisches. Da ist ein Schutzraum. Da ist das Gefühl der Geborgenheit. Da werden wir angenommen, gerade dann, wenn wir auf der Flucht waren. Da ist die Zeit zum Nachdenken und Hören.
Doch der Fisch bringt uns nicht zurück in die Vergangenheit, sondern entlässt uns in die Zukunft. Der Fisch rettet, gibt Zeit und Kraft. Und wenn wir dann aus dem Maul des Fisches wieder hineingeworfen werden in unser Leben, dann hat er uns dazu befähigt, nicht weg zu sehen, sich um zu hören und nicht weiter weg zu laufen. Er hat uns dazu befähigt, das zu tun, was uns zurück zum Leben bringt.
Dieser Bauch des Fisches kann unterschiedliche Formen annehmen: Es ist ein Terminal am Flughafen; Gespräche mit Menschen, die uns an ihrem Lebenswissen teilhaben lassen; Erfahrungen, die uns die Möglichkeiten des Lebens spüren lassen. Dieser Bauch des Fisches ist heute morgen unsere Kirche. Hierher können Sie sich zurückziehen, sich retten lassen. Hier bekommen Sie Zeit und Kraft. Hier dürfen Sie sich geborgen fühlen, dürfen still sein und hören, auf das, was Gott von Ihnen will. Doch der Bauch des Fisches bringt uns nicht zurück, sondern entlässt in die Zukunft. In die Zukunft des Lebens. Diese Zukunft beginnt jetzt. Sie liegt vor Ihnen, wenn Sie die Kirche nach dem Gottesdienst verlassen.
Amen
Felix Reuter Pfarrer z.A.
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